Das Vorgespräch

8. Juli 2026
Veröffentlicht in Patienteninformation, Praxis
8. Juli 2026 Alex Tino

Das Vorgespräch

Patienteninformation

Liebe Patientin, lieber Patient,

zu einem unverbindlichen Vorgespräch lade ich Sie ein, damit wir uns kennen lernen können.

Damit Sie sich auch auf dieses Gespräch einstellen können, erhalten Sie hier ein paar Informationen von mir dazu.

Ich hoffe Ihnen damit auch ein bisschen das mögliche Lampenfieber zu nehmen.

1. Wozu dient das Vorgespräch?

Es dient in erste Linie dem Kennenlernen, da wir ja im Team zusammenarbeiten – und bei einem Team muss die Chemie stimmen. Sie können hierbei etwas über sich und Ihre Wünsche und Ziele erzählen und erfahren im Gegenzug etwas über meine Arbeitsweise.

Im Anschluss können Sie in Ruhe entscheiden, ob Sie sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen können.

2. Erhalte ich Hinweise bezogen auf meine Anliegen / Thema / Problem?

Sie erhalten auf der Basis meiner Erfahrung erste Hinweise und Informationen darüber, wie wir gemeinsam im Hinblick auf Ihr individuelles Thema zusammenarbeiten können, und wie Ihr Teil dieser Zusammenarbeit aussieht.

Bei jeder Therapie geht es unter anderem immer um einen Verständnis- und Lernprozess:

  • Sie lernen sich selbst, ihre Situation und ggf. daran beteiligte Menschen besser zu verstehen und zu konfrontieren;
  • Sie lernen Zusammenhänge klarer zu sehen, mehr aus der Beobachter- und Vogelperspektive;
  • Sie navigieren und regulieren ihre Gefühle und Lebenprozesse besser (das nennt man „psychologische Kompetenz“).

Therapie dieser Art ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ und soll Sie befähigen – früher oder später – Ihre Themen selbst in die Hand nehmen zu können. So werden Sie mit der Zeit immer besser darin, hilfreiche Lösungen für sich selbst zu finden – insbesondere in schwierigen Situationen.

Ich kann Ihnen in dem Zusammenhang eine erste Einschätzung über die Zahl nötiger Sitzungen und Sitzungsintervalle für Sie als Selbstzahler*in geben.

3. Habe ich jede Woche Sitzungen?

Das ist unterschiedlich und hängt natürlich von Ihrer individuellen aktuellen Situation ab. Die wichtigen Zeiträume zwischen unseren Sitzungen können auch einmal etwas länger ausfallen, damit Sie Zeit haben den Sitzungsinhalt zu verarbeiten und praktisch auszuprobieren.

Die „Pausenzeiten“ sind also produktive (Selbst-)Erfahrungs- und Anwendungszeiten von gemeinsam erarbeiteten Erkenntnissen, Lösungswegen und Techniken, die Sie auf dem Weg zu Ihrem Ziel unterstützen.

4. Was erfahre ich über den langfristigen Ausblick?

Wie verzwickt Ihre Situation im Hinblick auf Sie selbst oder auf Beziehungen zu anderen Menschen auch sein mag: Idealerweise entsteht im Rahmen unserer Arbeit ein deutlicher roter Faden, der Ihnen Sicherheit gibt. Das hilft Ihnen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und selbstwirksamer handeln zu können.

So kann wieder mehr Energie dafür fließen Ihr Leben mit den Gefühlen zu erleben und zu gestalten, die Sie sich wünschen (z. B. Freude, Liebe, Dankbarkeit, Vertrauen, Mut, Stärke, Selbstwert, etc.).

Wenn wir beginnen, uns nur noch zu einer Art „Finetuning“ zu treffen, ist eine Zeit gekommen, zu der wir uns immer seltener sehen müssen. Zunehmende Klarheit über sich selbst und einen souveränen Umgang mit sich selbst und anderen erleben wir immer in Form eines Wachstumsprozesses. Das ist der „Hauptgewinn“ jeder erfolgreich bewältigten Krise.

5. Wird beim Vorgespräch eine Diagnose gestellt?

Es gibt schwerwiegende psychische Krankheiten und Störungen, die meine Behandlungsbefugnis als Heilpraktiker für Psychotherapie überschreiten. Das sind z. B. Zustände, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen, da vielleicht zeitweise Medikamente verabreicht werden müssen oder weil unter Umständen Zweifel an der Erhaltung des leiblichen Wohls einer Patientin / eines Patienten bestehen.

Wenn Ihre Beschwerden einen so großen Krankheitswert erkennen lassen und / oder ich befürchte dass sich während unserer Zusammenarbeit Ihr Zustand dahingehend verschlechtert, werden Sie das rechtzeitig in unserer Zusammenarbeit von mir erfahren (ggf. schon im Vorgespräch).

In einem solchen Falle darf ich nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch als Patientin / Patient BEGLEITEND zu einem Facharzt behandeln. In dem Fall führe ich z. B. eine heilkundlich psychotherapeutische Gesprächstherapie, während zeitgleich ein Facharzt / Psychiater entsprechende Medikamente verschreibt und den Gesundheitszustand überwacht.

Allerdings geht es weder im Vorgespräch noch in meiner Arbeit – über diese Abgrenzung meiner Handlungsbefugnis hinaus – primär um eine Diagnose, die Sie auf ein Krankheitsbild festlegt. Viele Beschwerden, die das Befinden einschränken, sind psychosozialer Natur, haben also mit Ihrer Beziehung zum Umfeld zu tun.

Meiner ganzheitlichen Auffassung nach „ist“ ein Mensch nicht seine Krankheit, seine Störung oder sein Problem und der Mensch sollte gerade eben nicht unnötig „überpathologisiert“ werden (was passiert, wenn normales menschliches Verhalten, alltägliche Schwächen oder harmlose Probleme übertrieben als krankhaft oder psychisch gestört eingestuft würden). Dazu mehr weiter unten.

6. Was steht als Ziel im Vordergrund einer heilkundlichen Psychotherapie?

Hier stehen immer eine größere Ganzheit und Ausgewogenheit des seelischen Lebens eines Menschen im Vordergrund. Die Therapie soll Ihre Autonomie vergrößern und Ihnen helfen Ihren eigenen Wachstumsprozess wieder selbst in die Hand zu nehmen.

7. Mit welcher Vorstellung von psychischen Problemen arbeiten Sie denn?

Wären wir nicht tief in uns zur Lösung fähig, wären unsere Problem unlösbar… Ein Glück ist das nicht so!
Doch manchmal brauchen wir Hilfe, um in die richtige Spur zu finden.

Im Hinblick auf psychische Einschränkungen und Probleme, auch solche im täglichen sozialen Kontext, befinden sich Menschen oft nicht in einem Dauerzustand: Sie gehen eher durch bestimmte Phasen (die unterschiedlich lang sein können). Wenn Sie in Ihrem Leben zurückblicken, werden Sie dies vielfach bestätigen können.

Die meisten von uns werden dann, wenn es uns nicht gut geht, durch bestimmte, meist unbewusste Verhaltens-, Denk- und Fühlmuster beeinträchtigt, die sich verändern lassen. Das sind erlernte Muster, die wir uns wie eine unbewusste Selbstsabotage vorstellen können. Sie halten an, solange sie uns selbst nicht auffallen (darum heißen sie „unbewusst“) und wir keine bewusste Veränderung daran vornehmen.

Solche Muster können erkannt und „dingfest“ gemacht werden und den in uns hilfreich wirksamen („gesunden“) Qualitäten, Eigenheiten und Fühlweisen gegenübergestellt werden.

Hier haben wir es dann mit den drei großen Lebenswirklichkeiten „Denken“, „Fühlen“ und „Handeln“ zu tun: Manchmal hilft und heilt z. B. eine Erkenntnis (Denken). In anderen Fällen müssen wir unsere Energie in Bezug auf uns selbst und andere verändern (Fühlen). Und in wieder anderen Situationen müssen wir etwas tun: Wir müssen bestimmte Konsequenzen ziehen und uns anders verhalten (Handeln). In der Regel sind diese Prozesse miteinander verbunden und das eine führt zum nächsten (z. B. kann das das heilsame Erkennen in zu einem anderen Verhalten führen, dessen Resultate uns andere Gefühle erleben lassen).

Fazit: Es ist für uns wichtig zu wissen, dass ein großer Teil von jedem Menschen mit einer Unzahl an Fähigkeiten, Ressourcen und Potenzialen bestückt ist, die uns mit der nötigen Unterstützung und Begleitung schrittweise zur Lösung befähigen können, sobald diese uns bewusst werden.
Aus Behandlersicht formuliere ich das so: Ich glaube an die Trainierbarkeit Ihrer Fähigkeit zur Lösung und zur Veränderung!

8. Kann ich mein Thema / meine Krise bewältigen ohne mich zu verändern?

Probleme weisen uns (versteckt) immer auf neue Möglichkeiten hin, bzw. fodern uns auf, danach zu suchen.
Einfach ausgedrückt: Probleme sind eigentlich verkleidete Lösungen, die in Form von Herausforderungen auftreten. Es sind normalerweise neue Herausforderungen, die sich uns darum kritisch darstellen, weil wir für sie

  • noch nicht die richtigen Werkzeuge besitzen,
  • die passenden Herangehensweisen herausgefunden haben,
  • die nötigen Einstellungen und Haltungen entwickelt haben.

Das ist sozusagen das „Gute des Schlechten“ einer Krise, eines Problems, eines Hindernisses: Sie zeigen uns den Tellerrand, die Grenzen unserer bisherigen Möglichkeiten, damit wir beginnen sie zu erweitern.

Wir werden daher keine Lebenskrise überwinden, um in Anschluss wieder zur „Tagesordnung“ überzugehen, denn wir haben im Rahmen einer gut geführten Therapie zu einer neuen Ordnung gefunden: Wir haben uns verändert. Dieser neue Ordnung (oder größere Ganzheit) gemeinsam auf der Spur zu bleiben, sie zuversichtlich und konsequent weiter zu verfolgen: darin besteht die Aufgabe, bei der ich Sie unterstütze und begleite.

… Ich hoffe, diese Informationen haben Ihnen einen angemessenen ersten Eindruck im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit mir vermittelt.

Bitte nutzen Sie die Informationen und Ihre Eindrücke gerne, um bei unserem Treffen in diesem Rahmen Ihre eigene Thematik, Ihre weiteren Fragen und Wünsche konkreter anzusprechen zu können.

Herzliche Grüße,

Ihr Alexander Taoussanidis

 

Cookie Consent mit Real Cookie Banner